Tanz, Musik, Emotionen und Glaube

Zehntausende feiern in Dresden den evangelischen Kirchentag/ Auch viele Göttinger wirken mit

„Tanz drückt Emotionen aus und schafft Gemeinsamkeiten unabhängig von Sprache - wie der Glaube”. Das war es, was die Göttingerin Ulrike Grell bei ihrem ersten Besuch des evangelischen Kirchentags fasziniert hat. Nun gehört die Tanzpädagogin selbst zu den Künstlern, die das Großereignis in Dresden mitgestalten. Auch Medien- und Religionswissenschaftlerin Annika Böhm und Musikerin Deda Nohagheghi sind aus Göttingen angereist, um ihren Teil zum Kirchtag beizutragen. Sie zeigen, dass es zwar einzelne, aber viele verschiedene Menschen sind, die das fünftägige Treffen von Christen aus aller West so besonders machen.

Ulrike Grell unterrichtet an der Göttinger Ballettschule „Art la Danse”. Vorgestern sind sie und acht weitere Tänzer zum ersten Mal auf dem Kirchentag aufgetreten. „Es war einfach nur toll”, erzählt die 26-Jährige mit leuchtenden Augen. In der 80-minütigen Aufführung wird „Contemporary Ballett” getanzt, also barfuß und weniger elegant als beim klassischen Ballett. Auch Kleidung, Schminke und offene Haare prägen den modernen Stil.

Begleitet werden die Tänzer vom dominikanischen Drummer Oliver Duverge-Castillo: Sechs Trommeln, ein Schellenring und drei Becken stehen dem Göttinger zur Verfügung. „Der Tanz und die Musik sollen Gefühle ohne Worte ausdrücken”, erklärt die Tanzpädagogin. Die Bewegungen und Rhythmen haben Tänzer und Drummer gemeinsam in dreimonatiger Arbeit entwickelt. Der Aufwand hat sich gelohnt, findet Grell: „Jeder einzelne gibt alles, was er zu geben hat, mit dem einen Ziel, unsere gemeinsame Kultur und unseren Glauben zu präsentieren und weiter zu entwickeln. Das ist unglaublich bereichernd.” [...] Die Ballett-Tänzer um Ulrike Grell haben sich schon vergangene Nacht auf den Rückweg gemacht. Heute stehen Generalprobe und Auftritt bei den Händel-Festspielen an.

Marina Engler
Göttinger Tageblatt, Sonnabend, 4. Juni 2012